Claudiros Kurze

Einmal im Monat veröffentlicht unser Örtlicher Geschichtenschreiber Claudiro auf diesen Seiten eine seiner Kurzgeschichten. Diese können Sie hier direkt lesen oder aber Sie laden sie im PDF Format auf ihren Rechner. Viel Spaß dabei!

Waldfruchtmarmelade.

Eigentlich war es wie damals.
Damals?
Nach tiefem Nachdenken: Es hat ja nur ein damals gegeben. Aber, wann
war das gewesen?
Er betrachtete Elena nachdenklich, während sie mit geschickten Händen
den Picknickkorb von seinem leckeren Inhalt entlastete und munter drauflos
plapperte.
Ihr Lächeln war etwas härter geworden, verschmitzter. Ihre Stimme eine
Oktave tiefer, vielleicht etwas heiserer.
Trug sie nicht das gleiche Kleid? Dieses farbenreiche Blumenmuster kam ihm
auffallend bekannt vor.
„Hier, schau mal, deine Lieblingsmarmelade!“ Mit der graziösen Geste eines
Magiers, zauberte sie ein Glas Waldfruchtmarmelade aus dem Koffer und
hielt es ihm vor Freude strahlend unter die Augen. „Du magst sie doch heute
auch noch, oder?“
„Woran du dich noch erinnern kannst“.
Hatte er jemals…

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Verpasste Gelegenheiten

„Gott sei Dank, er steht noch am Bahnsteig!“ Martina Block hastete die letzten
Treppenstufen zum Bahnsteig 13 im Bahnhof Hannover empor. Ihr kleiner, brauner Trolly
schlitterte am langen Arm über die Treppenstufen. Genau gegenüber der Treppe stand der
Bistro-Wagen ihres wartenden IC´s 532 nach Köln. Ausgerechnet heute musste ihr Bus
Verspätung haben. Sie flitzte hinüber, sprang hinein und ließ sich erleichtert in den ersten Sitz
an einem kleinen halbrunden Tisch fallen. Ihre Arme lagen schlaff über die Sitzlehnen und
berührten beinahe den Boden. Durch den scharfen Pfiff des Zugschaffners, das Signal zur
Abfahrt, schreckte sie aus ihrer Erstarrung. Schweiß ran ihr über die Stirn in die Augen, die
sie jetzt öffnete, um ihr Umfeld zu erkunden.
Das Bistro war bis auf einen Platz menschenleer. Sie erkannte…

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Sommerurlaub 2008

„ Wie spät ist es schon?“ Gerlind Droste schaute flüchtig auf ihre Armbanduhr.
„Verdammt, der Bus ist weg, was mache ich jetzt?“
Sie muss unbedingt in die Stadt zur Apotheke und dort das Selbstbräunungsmittel abholen.
Eilig überquerte sie die Straße. Neben der Kirche, an der Telefonzelle steht ja öfter ein Taxi.
„Telefonzelle? Du musst noch Hannchen Dormeyer anrufen, die hat heute Geburtstag“,
schoss es ihr durch den Kopf. Die Telefonzelle war frei aber ein Taxi weit und breit nicht zu
sehen.
„ Hallo Hannchen, herzlichen Glückwunsch zu Deinem 45. . Gerd und ich wünschen Dir
alles Liebe und, na ja du weißt schon, was man sich alles so wünscht“, waren ihre ersten
Worte, als Hannchen sich am Telefon meldete.
„ Vielen Dank für eure Glückwünsche“, säuselte Hannchen mit spitzem Mund, um dann
gleich zu fragen:
„ Wie war es denn im Urlaub? Ihr wahrt doch…

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„ …Nur die schönen Stunden nicht“ (Erzählung)

Zu Ostern herrschte in unserem Dorf immer ein reges Treiben. Schon Tage vorher
organisierte die Feuerwehr die Aktion „Saubere Landschaft“.
Mit Trecker und Gummiwagen die Einen, mit Mistforke und Müllsack wir Anderen,
zogen wir durch die Natur, um den von sorglosen Mitmenschen dort wahllos
verstreuten Wohlstandmüll einzusammeln und auf unseren Brennplatz abzuladen.
Hinzu kam alles Gerümpel, was Boden, Keller und Lagerschuppen zu bieten hatten
und nicht mehr zu gebrauchen war.
So rollte dann Wagen um Wagen heran und musste mühevoll entladen…

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Es wurde mal wieder Zeit

Bin ich das nun oder?
Ich sitze in meinem geliebten Ohrensessel, den Mund gespitzt, die Stirn in Falten und starre mit
zusammengekniffenen Augen immer wieder ungläubig auf diesen vergilbten
Zeitungsausschnitt mit dem Bild eines verschmitzt lächelnden, blonden, apfelschmatzenden
Jüngling. Lege ihn wieder beiseite, um ihn schon nach wenigen Minuten wieder in die Hand
zu nehmen.
„Wann war das? Wo war das? Kein Zweifel, das muss ich sein“, brumme ich so vor mich hin.
„Ah, hier ist das Datum zu erkennen- 1.Oktober 1965.“, der Rest ist dunkelbraun?
Den Kopf schräg auf die Hand gestützt, die grauen Zellen arbeiten.
„Wann war das? Wie kommt das Bild in den Tagesanzeiger der 60ziger Jahre?“
„ Gibt’s nicht mehr. Heute heißt die Zeitung Westfalenpost.“
„Leide ich denn schon unter Demenz? Vom Alter her muss…

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Ein Ereignis aus der Geschichte meines Standortes

Die dritte Gruppe der Ausbildungskompanie 6/1 hat den Auftrag, von Heisterholz in einem Orientierungsmarsch
die Kaserne in Rodenbeck zu erreichen.

Das Heisterholz, nördlich von Minden gelegen, reicht mit seiner südlichen Spitze bis an die Weser heran. Nachdem wir die Waldspitze erreicht haben, gebe ich als Gruppenführer meiner Gruppe den Auftrag, die Stadtgrenze entlang der Weser zu erreichen.

Links von uns glitzert das einförmige Band der Weser und trägt ihr Wasser zum Meer. Auf der rechten Seite wird das saftige Grün der Wiesen nach wenigen Metern von einer sich steil erhebenden, gleichmäßig parallel zur Weser verlaufenden Anhöhe unterbrochen, auf dessen Ebene die Häuser der anliegenden Ortschaften liegen. Da wir in diesem flachen Gelände sehr schnell voran kommen, beschließe ich, bevor das Stadtgebiet…

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Die Wettervoraussage

Es war einmal vor unzähligen Jahren, da machte sich eines Tages der Bürgermeister
von Päpinghausen zum Friller Brink auf, dort hauste ein weiser Mann namens
Hinnak Dräger, den er unbedingt in diesem Jahr befragen wollte.
Die Päpinghauser Bürger hatten ihren Bürgermeister schon seit Tagen bedrängt,
doch bald Auskunft über die Heftigkeit des Winters einzuholen. Bedenke: Es war weit
vor dem Erdölzeitalter, darum galt es rechtzeitig für den Winter vorzusorgen.
Er schwang sich auf seinen Drahtesel und fuhr gen Frille. Dort traf er den Weisen
behaglich hinter seiner Hütte sitzend: Der blickte ins Auetal, hatte eine Flasche Bier in
der Hand und schmauchte seine Pfeife.
„ Säch eiß Hinnak, wie werd denn dat Wär in düssen Winter?“, stellt er,
nach dem Hinnak ihm zugenickt hatte, sofort seine Frage.
Dieser hatte ihnen schon Jahrelang, neben vielen anderen Orakeln, das
Winterwetter provezeit.
Er war ein begehrter Mann, wurde vor allen von jungen Mädchen…

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Das Schlachtefest

Auf dem platten Lande war es schon seit ewigen Zeiten so, dass jeder, der ein Haus, auch ein Schwein hat. Auf den Bauernhöfen war diese ja kein Problem, da gab es Ställe und darin viele Schweine, mithin auch immer reichlich Wurst und Schinken. Bei uns „kleinen Leuten“ taten sich doch einige Schwierigkeiten auf. Wer ein Schwein futtern wollte, musste auch einen Stall haben. Leute, die zur Miete wohnten kauften sich kurz vorm Schlachten das Tier. Die meisten Siedler auf dem Busch futterten in der Regel ihr Schwein selbst. Einige sogar auch Säue und züchteten Ferkel. In ihren Ställen wurden die so beliebten Wurst- und Schinkenspender dann mit viel Liebe, von den Essenresten oder vom Gemüseanbau im eigenen Garten bzw. angepachteten Feldern, bis zur Schlachtreife gefüttert. Das Schlachtefest war zu damaliger Zeit ein besonderes Ereignis…

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